Wir über uns

Der Gewässerzweckverband Flügelbach-Kinsbach

Bis zur Bildung der Verbandsgemeinden in Rheinland-Pfalz in den 70er Jahren und dem damit verbundenen Übergang der Zuständigkeit lag die Aufgabe für die Unterhaltung der Gewässer und Gräben in den Gemarkungen bei den einzelnen Gemeinden.

Die Unterhaltung umfasste den Ausbau der Gräben, meist im Zusammenhang mit Flurbereinigungsmaßnahmen, die Räumung und Freihaltung der Abflüsse und die Sicherung der Ufer. Doch auch vor der Bildung der Verbandsgemeinden gab es bereits eine über die Gemarkungsgrenzen hinaus gehende Zusammenarbeit, wenn ein Gewässer oder ein Gewässersystem mehrere Gemarkungen durchfloss, wie dies beim Flügelbach und beim Kinsbach (Zornheimer Graben) und den Seitengräben der Fall war. Dieses natürliche Gewässersystem durchfließt die Gemarkungen von Ebersheim, Zornheim, Harxheim, Lörzweiler, Mommenheim, Dexheim, Schwabsburg und Nierstein. Dort, in der Nähe des Bahnhofes, mündet der Bach in den Rhein.

Gemarkung Mommenheim, Am Heiligenbaum, 5. November 2010Gemarkung Mommenheim, Am Heiligenbaum, 5. November 2010

Im Jahre 1957 wurde der Wasser- und Bodenverband Flügelbach-Kinsbach gebildet. Ihm gehörten die oben genannten Gemeinden an. Der Verband wurde ehrenamtlich geführt, meist durch die jeweiligen Bürgermeister: Er bestand aus einem Vorsteher, zwei Vorstandsmitgliedern, zwei Vertretern des Vorstandes und aus den Vertretern der Verbandsversammlung, die von den Gemeinden entsandt wurden.

Alle Vorhaben mussten schon damals mit dem zuständigen Wasserwirtschaftsamt abgestimmt werden – die ordnungsgemäße Ausführung der Maßnahmen wurde kontrolliert. So fanden jährlich öffentliche Begehungen statt. Sogar die Polizei und die Landwirtschaftskammer nahmen an diesen Begehungen teil, damit alle Interessen gewahrt blieben und alle festgestellten „Mängel“ beseitigt wurden. Hielten sich zum Beispiel die Gemeinden nicht an die getroffenen Anordnungen, konnten sogar Ordnungsgelder bis zu 30 DM verhängt werden.

Finanziert wurde der Wasser- und Bodenverband über Beiträge der einzelnen Gemeinden. Finanziell herangezogen wurden alle Gemeinden im Sinne der Solidargemeinschaft zu jeder Maßnahme: Der jeweilige Anteil, festgesetzt vom Wasserwirtschaftsamt ergab sich aus der Grabenlänge und dem Wassereinzugsgebiet.

Mit der Bildung der Verbandsgemeinden und der damit verbundenen Übertragung der Aufgabe, die Gewässer 3. Ordnung zu unterhalten, schieden die Gemeinden als Mitglieder aus dem Verband aus, die Verbandsgemeinden Bodenheim, Nieder-Olm, Nierstein-Oppenheim und die Stadt Mainz (für den Stadtteil Ebersheim) traten an deren Stelle.

Die Verbandsgemeinderäte bzw. der Mainzer Stadtrat wählen nunmehr ihre Vertreter in die Verbandsversammlung. Diese setzte sich aus sieben Vertretern zusammen, die aus ihrer Mitte einen Vorsteher wählten. Die Geschäfte des Verbandes wurden von der Verbandsgemeindeverwaltung Nierstein-Oppenheim übernommen.

Nach wie vor mussten stets Bürgermeister und Ortsbürgermeister in der Verbandsversammlung vertreten sein. Einen Vorstand gab es ab der Kommunalreform nicht mehr. Der Verband finanzierte sich über Beiträge, der Verteilschlüssel wurde mit Zustimmung der betroffenen Verbandsgemeinden und der Stadt Mainz vom Wasserwirtschaftsamt festgelegt und gilt bis heute.

Die Verbandsgemeinde Rhein-Selz wird an den Ausgaben mit 72,4 % beteiligt, die Verbandsgemeinde Bodenheim mit 18 %, die Verbandsgemeinde Nieder-Olm mit 5,6 %, die Stadt Mainz mit 4 %. In der Anzahl der Vertreter spiegelt sich in etwa die Gewichtung der finanziellen Beteiligung der einzelnen Mitglieder wider:
Die Verbandsgemeinde Rhein-Selz entsendet drei, die Verbandsgemeinde Bodenheim zwei und die Verbandsgemeinde Nieder-Olm und die Stadt Mainz jeweils einen Vertreter.

Als erster Vorsteher wurde Bürgermeister Friedhelm Schneider gewählt, ihm folgten als Vorsteher Bürgermeister Reinhard Petry, Beigeordneter Anton Martensen und Bürgermeister Klaus Penzer.

An den Aufgaben des Verbandes und der Arbeitsweise (Wahl des Vorstehers, Anzahl der Sitzungen, Benutzung der Grundstücke, Zäune und Viehtränken, Verbandschauen etc.) änderte sich nichts. Lediglich die Ordnungsstrafe wurde ab 1976 bei Verstößen gegen die Anordnungen des Verbandvorstehers auf 100 DM heraufgesetzt.

2001 wurde der Wasser- und Bodenverband in einen Gewässerzweckverband umgewandelt. Mit dieser Änderung wurden zusätzlich zu der Gewässerunterhaltung eine neue Aufgabe in die Satzung aufgenommen: möglichst nach ökologischen Gesichtspunkten zu handeln und Renaturierungsmaßnahmen durchzuführen.

Mit Hilfe eines „Gewässerpflegeplanes“ und eines „Gesamthydraulischen Konzeptes“ wurde schon in den 90er Jahren ein Leitfaden für wasserwirtschaftliche und ökologische Verbesserungen am Flügelbach und seinen Seitengräben erarbeitet. Wichtig waren diese Veränderungen, um naturnahe Lebensräume und damit einen ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Diese Vorgaben sind sogar essenziell, um der Natur Stück für Stück ihre Lebensräume zur Entfaltung zurückzugeben. Nebenbei wird hierdurch auch die strenge EU-Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt, die den guten Zustand aller Gewässerräume fordert.

Mit dem Bau von Gewässerräumen im Einzugsgebiet des Flügelbaches reduziert sich auf natürliche Weise der Wasserabfluss und die Fließgeschwindigkeit, was im Hinblick auf die hochwassergefährdeten Gemeinden Schwabsburg und Nierstein positive Effekte nach sich zieht. Zusammen mit dem Beitrag zum Artenschutz und zur Artenvielfalt haben diese Maßnahmen einen hohen wasserwirtschaftlichen und ökologischen Stellenwert. Gewinner sind hier Mensch und Natur.

Daher werden die Renaturierungsprojekte vom Land Rheinland-Pfalz im hohen Maße gefördert. Weitere Finanzierungsmöglichkeiten solcher Maßnahmen ergeben sich aus der rechtlichen Verpflichtung der Gebietskörperschaften, Eingriffe in die Natur, z.B. durch die Erschließung von Neubaugebieten, auszugleichen. Neubaugebiete tragen zunächst im erheblichen Maße zur Abflussverschärfung und somit zur Hochwassergefahr bei, die jedoch durch Ausgleichsmaßnahmen, wie den Gewässerrenaturierungen mit ihren Retentionsräumen, aufgefangen werden. Soweit möglich fließen landespflegerische Ausgleichsmaßnahmen finanziell in die Maßnahmen des Verbandes ein.

Bisher wurden sieben Renaturierungsmaßnahmen am Flügelbach und am Zornheimer Graben umgesetzt. Als Beispiel sei hier die Ende 2011 verwirklichte Maßnahme „Zu Kreuze“ in der Gemarkung Lörzweiler am Flügelbach erwähnt: Nach Abschluss der Maßnahme werden ca. 120.000 € (ohne Grunderwerbskosten) investiert sein. Das Abwasserwerk der Verbandsgemeinde ist wegen seiner Verpflichtung zum Ausgleich der Wasserführung mit 74 % an der Finanzierung beteiligt. Der Landeszuschuss betrug ca. 26.000 €, so dass die Maßnahme vom Gewässerzweckverband durchgeführt werden konnte. Dabei entstand ein Retentionsvolumen von 4.000 m³.

In der weiteren Planung und Umsetzung befinden sich konkret zwei Maßnahmen. Intensiv wird der Ankauf geeigneter Flächen oder der Flächentausch betrieben, um die Ziele des Verbandes umsetzen zu können.