Geschichte der evangelischen Kirche in Weinolsheim

    Nach der Reformation und dem Konfessionsfrieden von Augsburg im Jahre 1555 wurde die heutige katholische Kirche den Reformierten zugesprochen. Die Bau- und Reparaturpflicht blieb aber beim Wormser Domkapitel, da dieses einen Teil des Zehnten kassierte. Natürlich drückte sich das Domkapitel so lange es nur ging, eine reformierte Kirche zu reparieren. Über den Zustand des Pfarrhauses, in dem ja jetzt die reformierten Pfarrer wohnten, berichtet das Baubuch des Amtes Alzey im Jahre 1578 - also nur 18 Jahre nach der Übertragung- "Pfarrhaus ist an Gebäude sehr baufällig, Domherren zu Worms haben dasselbe zwar decken lassen, aber inwendig mangelt noch sehr viel Besserung."

    Die Domherren zu Worms ließen sich erweichen, rissen das ganze Pfarrhaus ab und ersetzten es durch ein neues, so berichtet auch das Kompetenzbuch von 1605 - also immerhin 27 Jahre später. "Pfarrhaus ist neu gebaut und muss vom Domstift Worms in Bau und Besserung gehalten werden". Aber schon ab 1675 griffen die Franzosen in den pfälzischen Erbfolgekrieg ein, belagerten und beschossen 1689 Mainz und Teile dieser Horden kamen wohl auch nach Weinolsheim. Denn im Jahre 1693 berichtet der damalige Pfarrer Georg Harraus: "Mit dem Pfarrhaus in Weinolsheim hat es annizo solche Beschaffenheit, dass es seit der Belagerung von Mainz anno 89 sehr ruiniert worden, so dass fast nichts mehr als die vier Mauren oder Wände stehen samt dem Dach, auch hanget der vorderste Gipfel (Giebel) sehr hinaus und ist dem Ruin nahe, da dieserzeit nichts gehalten, gebauet und gebessert wird." Nach dem Ende des pfälzischen Erbfolgekrieges werden auf preußischen Druck hin alle Kirchen im Lande unter den Katholiken und Reformierten aufgeteilt. Diese Teilung folgt der Regel: Von sieben Kirchen werden 5 reformiert und 2 katholisch. Durch diese Kirchenteilung kam die besagte Kirche wieder in die Hände der Katholiken. Die Reformierten standen so ab 1707 ohne Kirche da. Sie mussten sich nach Ersatz umsehen, was sie auch taten, aber erst um 1720 -1729 war ein kleines Kirchlein erbaut, etwa an der Stelle wo auch heute die ev. Kirche steht. Diese Kirche wurde der reformierten Pfarrei von Dorn-Dürkheim unterstellt und von dort auch betreut.

    Diese Kirche diente ihrer Bestimmung noch nicht siebzig Jahre, sie wurde etwa ab 1780 baufällig. Eine angeordnete Sammlung brachte nichts ein, so dass die Kirche 1795 wegen Einsturzgefahr geräumt werden musste und im Jahre 1817 durch den erforderlichen Abriss aufhörte zu existieren. Schon 1820 begannen Verhandlungen wegen eines Kirchenneubaues. Diese Verhandlungen schleppten sich dahin bis zum Jahre 1840, ohne den geringsten Erfolg zu bringen. Da riss den reformierten Weinolsheimer Gläubigen wohl der Geduldsfaden und sie kauften kurzerhand die zum Abbruch bestimmte Kirche von Alsheim. Diese wollten sie Stein für Stein abtragen, mit Pferde und Ochsenfuhrwerken nach Weinolsheim schaffen und hier wieder aufbauen. Im Kaufvertrag waren außer der Kirche, der Turm mit den Glocken, die Glockenseile, die Kanzel, die Empore, die Orgel und das Gestühl enthalten. Der Kauf wurde aber nicht rechtskräftig, da die Obrigkeit das Geschäft, aus welchen Gründen auch immer, nicht billigte.

    Nun versuchten die reformierten Weinolsheimer einen Schulhausneubau zu erreichen, dem ein Betsaal angegliedert werden sollte. Dieser Plan bekam 1837 grünes Licht - allerdings mit der einstweiligen Aussetzung eines Türmchens und des Inventars. Noch im Jahr 1837 wurde der Neubau in Angriff genommen und schon ein Jahr später -1838- im Rohbau vollendet. Die Fertigstellung erfolgte 1843 als das Türmchen und die Einrichtung vollendet waren. Die Zahlen ergeben sich aus den Berichten des Superintendanten Nonnweiler der in seinem Bericht vom 18.08.1840 schreibt:" Zur Pfarrei Dolgesheim gehört das eine halbe Stunde entfernte Weinolsheim. In Ermangelung eines eigenen Gotteshauses müssen die dasigen Gläubigen bis zur Stunde noch den Gottesdienst im Hauptort besuchen, zwar ist schon seit zwei Jahren ein Betsaal erbaut, aber es fehlt bisher noch an Mitteln für die innere Einrichtung. Ein anderer Visitationsbericht, der vom 14. Juli 1846 stammt und vom gleichen Superintendenten verfasst wurde berichtet wie folgt: "Die kleine Filialgemeinde Weinolsheim, die lange eines eigenen Gotteshauses entbehren musste, erfreut sich nun seit drei Jahren (also seit 1843) eines Betsaals, worin sonntäglich Gottesdienst und danach eine kurze Kinderbelehrung stattfindet."

    Im Jahre 1895 wurde eine Emporbühne eingebaut und im Jahre 1898 wurde der Betsaal erweitert und gründlich renoviert. Im Verlauf dieser Maßnahmen wurde ein richtiger Glockenturm aufgesetzt. Ab sofort durfte sich das Gebäude Kirche nennen. Diese Kirche wurde 1932 erneut renoviert, wobei das heute wieder sichtbare Deckengemälde restauriert und die sich hinten rechts unter der Empore befindende Sakristei nach vorne links verlegt wurde.

    Dies belegt auch ein Zeitungsausschnitt aus dem Jahre 1932 (20. oder 21. Juni 1932) der sich im Privatarchiv der Familie Albrecht befindet. Während des zweiten Weltkrieges wurde die Kirche zweier ihrer drei Glocken beraubt, die kleinste blieb ihr. Erst im Jahre 1952 oder 1953 war die Anschaffung und die Indienststellung von zwei neuen Glocken möglich. Bis dahin waren auch die Kriegsschäden an der Kirche beseitigt worden, das Deckengemälde aber wurde vermutlich aus Geld- oder Künstlermangel einfach weiß übertüncht. Zeit Fotos aus dem Jahre 1950 zeigen die Kirche von außen, man sieht, dass Schäden beseitigt wurden- das zweite Foto zeigt die Innenansicht, das Deckengemälde existiert nicht, nur links und rechts an den Stirnseiten sind auf der weißen Wand Bibelverse aufgebracht: links: Johannes 3, 16 und rechts: Epheser 2, 8-9.

    In den Jahren 1960 bis 1962 ließ der damalige Pfarrer Kreuzburg eine erneute sehr eigenwillige Renovierung durchführen in deren Verlauf die Kanzel bei gleichzeitiger Höhenreduzierung in die vordere linke Ecke versetzt und der Schalldeckel entfernt wurde. Der sich auf dem Schalldeckel befindliche Pelikan bekam einen Platz auf einem Brett an der nördlichen Außenwand (zur Dalheimer Straße), wirkte aber nun mit seiner seltsamen Farbgebung etwas lächerlich. Im Verlauf dieser Renovierung wurde auch ein elektrisches Läutewerk mit mechanischer Steuerung eingebaut. Die ganze vordere Wand wurde mit Holzlatten und Dämmplatten verkleidet und ein Kachelofen wurde eingebaut. Der Turm wurde mit Zinkblech, in das eine Art Schindelimitat gestanzt war, gedeckt und mit grüner Farbe gestrichen.
    Mit der Zeit sollte die grüne Farbe einen Grünspanton annehmen und sei eine Kupferdeckung vorspiegeln. Die ganze Kirche bekam einen unübersehbaren Schwarzwaldtouch. In den achtziger Jahren dieses Jahrhunderts sollte aus gegebenem Anlass der Turmunterbau und Turmausbau, das Dach und das raue Mauerwerk einer Sanierung unterzogen werden. Erste Untersuchungen wurden unter dem damaligen Pfarrer, Herrn Fey, gemacht. In deren Verlauf entdeckte 1988 eine Mitarbeiterin des Denkmalschutzes, die zu Sanierungsberatungen für das Mauerwerk, das Dach und den Turm zugezogen worden war zufällig bei einem Blick in die Kirche - die Kirche in der Kirche wieder. Bei dieser großen Renovierung, die erst 1990 abgeschlossen werden konnte wurde die Kirche originalgetreu wieder hergestellt. Der Schwarzwaldtouch wurde entfernt, die Kanzel bekam wieder ihren alten Platz mit Schalldeckel- die Sakristei wurde wieder zurück- und das Deckengemälde wurde wieder freigelegt und restauriert.
    Die Orgel wurde überholt, ebenso wie das gesamte Gestühl. Auch der Fußboden wurde originalgetreu erneuert. Der Kachelofen wurde durch eine neuzeitliche elektrische Direktheizung ersetzt und das Läutewerk wurde ab sofort von einem Computer gesteuert. Am Sonntag Judica im Jahre 1990 fand die erste Konfirmation in der neu restaurierten Kirche statt. Pfarrer Fey beendete seine Amtszeit mit der Endabnahme der Renovierungsmaßnahme. Die Gottesdienste übernahm zu großen Teil Pfarrer Kellner aus Gimbsheim, den noch ausstehenden Konfirmandenunterricht und die Konfirmation übernahm Frau Pfarrerin Weinmann aus Undenheim.

    Am 06.01.1991 übernahm durch Ordination Herrn Pfarrvikar Kuhn-Ristau die Verwaltung der Pfarrstelle. Er wurde 1994 zum Pfarrer ernannt und verließ die Pfarrstelle zu Pfingsten 1996. Von August 1997 bis Januar 2010 war Michael Graebsch Pfarrer.

    Seit August 2012 ist Esther Gröschel Pfarrerin der Kirchengemeinde.

    Evangelische Kirchengemeinden Dolgesheim und Weinolsheim

    Pfarrerin Esther Gröschel

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    in der Regel im wöchentlichen Wechsel sonntags 09.30 Uhr und 10.30 Uhr
    siehe Mitteilungsblatt der Verbandsgemeinde Rhein-Selz
    unter "Kirchliche Nachrichten".