„HELFER sind tabu!“ – Gewalt gegen Rettungskräfte muss sozial geächtet werden

    Pressemitteilung der Kreisverwaltung Mainz-Bingen

    Immer öfter erleben haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hilfsdiensten, Feuerwehren und Polizei im täglichen Einsatz verbale oder tätliche Aggression in unterschiedlichen Formen. Dabei wollen sie nur eines: in Not geratenen Menschen helfen und sie schützen. Die Vorfälle häufen sich, immer öfter berichten
    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Hilfsorganisationen, dass sie bei ihrer Arbeit behindert werden.

    Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen, wurde im Januar 2018 von Vertretern der Rettungsdienstbehörde des Landkreises Mainz-Bingen, der Feuerwehr in der Stadt Mainz sowie der Hilfsorganisationen ASB Landesverband Rheinland-Pfalz e.V. Kreisverband Mainz-Bingen, DRK-Rettungsdienst Rheinhessen-Nahe gGmbH, Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Regionalverband Rheinhessen, Malteser Hilfsdienst e.V. und Rettungsdienst Corneli „HELFER SIND TABU! e.V.“ gegründet. Erstmals und bundesweit wohl auch einmalig haben sich in diesem Verein verschiedene Dienste und Institutionen organisationsübergreifend zusammengeschlossen, um in einer gemeinsamen Initiative den Schutz von Helfern sicherzustellen.

    Ziel des Vereins ist es, ein gesellschaftliches Umdenken zu erreichen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen helfen. Wer Notfall- oder Rettungssanitäter wird, ist hochmotiviert. Umso frustrierender ist es, wenn man an seiner Arbeit gehindert wird, als Helfer selbst Aggression oder Gewalt erlebt.

    Wie damit umgehen? Diese Fragen stellten sich DRK Rettungsdienst Rheinhessen-Nahe, Johanniter-Unfall-Hilfe,
    Arbeiter-Samariter Bund, die Polizeidirektion Mainz, Malteser Hilfsdienst und die Berufsfeuerwehr Mainz und beriefen einen „Runden Tisch Gewalt gegen Einsatzkräfte“ ein. Aus diesem gingen, unter Beteiligung der
    Kreisverwaltung Mainz-Bingen als zuständiger Rettungsdienstbehörde sowie des Rettungsdienstes Corneli, die
    Kampagne „HELFER sind TABU“ und später der gleichnamige Verein hervor – an dem lediglich die Polizei aus
    rechtlichen Gründen nicht beteiligt ist. Öffentlichkeitsarbeit, die Unterstützung und Schulung von Helferinnen und Helfern sowie die Entwicklung und Umsetzung eines Erfassungstools sind die drei hauptsächlichen Aufgabenfelder.

    Mit Unterstützung des Vereins wurden bisher 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Dienste als Multiplikatoren gezielt und fachspezifisch in Deeskalation- und Präventionstechniken geschult. Ihr Wissen geben sie in ihren
    Organisationen an Kolleginnen und Kollegen weiter.  Das Programm wurde von Professor Dr. Dr. Mario Staller,
    Psychologe, Polizeibeamter und Kampfsportinstruktor sowie Leiter des Institutes für professionelles Konfliktmanagement (ProKon), ausgearbeitet und praxisorientiert an den Erfahrungen der Schulungsteilnehmern ausgerichtet.
    So entstand ein Konzept für Gewaltpräventions- und Deeskalationsstrategien, das speziell für den beruflichen Alltag und die spezifischen Situationen der Helferinnen und Helfer konzipiert ist und sich gezielt an den Anforderungen
    des Sanitäts- und Rettungsdienstes sowie der Feuerwehren orientiert. „Die Teilnehmer lernen, sich anbahnende Konflikte zu erkennen und zu entschärfen bevor die Situation eskaliert. Aber auch, wie sie mit verbaler und tätlicher Gewalt umgehen können – immer im Hinblick auf Eigenschutz, aber auch im Sinne des Patienten“, beschreibt
    Professor Dr. Dr. Staller die Inhalte.

    Zusätzlich zu den erlernbaren Verhaltensstrategien ist es auch wichtig, jeden  einzelnen Angriff gegen Einsatzkräfte zur Anzeige zu bringen, damit er strafrechtlich verfolgt werden kann. Grundlage dafür ist ein einheitliches
    Erfassungstool, das vom Verein und basierend auf dem bereits existierenden Hygienetool Rheinland-Pfalz entwickelt wurde. Hier werden erstmals dienstübergreifend und einheitlich definierte Übergriffe und Bedrohungen von
    Helferinnen und Helfern erfasst und ausgewertet. Die Inhalte des Tools wurden mit der Polizei abgestimmt, um
    eine vereinfachte Aufnahme von Anzeigen zu ermöglichen. Gleichzeitig sollen die Daten des Tools wissenschaftlich
    analysiert und die Erkenntnisse daraus direkt in die Schulung der BOS-Multiplikatoren einfließen. Damit ist
    gewährleistet, dass sich Inhalte und Struktur der Schulung immer möglichst eng an das tatsächliche Einsatz-
    geschehen anpassen lassen und so auch auf Veränderungen der Anforderungen im Arbeitsalltag der Helferinnen und Helfer eingegangen werden kann.

    „Wir wollen dabei mithelfen, dass Gewalt gegen Helferinnen und Helfer gesellschaftlich geächtet wird. Im Idealfall
    bildet sich so ein allgemeiner Konsens, der Täter isoliert und es ihnen erschwert, anonym in der Masse unterzu-
    tauchen“, fasst Dr. Stefan Cludius als Vorsitzender die Vereinsziele zusammen. Leider erfahren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hilfsdienste und der Feuerwehren immer wieder, dass die von ihnen gestellten Anzeigen wegen
    „fehlendem öffentlichem Interesse“ eingestellt und nicht weiter verfolgt werden. Auch hier ist ein wichtiger Ansatzpunkt des Vereins, im Gespräch mit Staatsanwaltschaft und Gerichtsbarkeit darauf hinzuwirken, dass die Anzeigen konsequent zum Abschluss gebracht und geahndet werden. Ebenso wäre dies ein wichtiges Zeichen der gesellschaftlichen Wertschätzung gegenüber den Helferinnen und Helfern und würde vor allem auch eine abschreckende
    Wirkung auf potentielle Gewalttäter entfalten.

    Der Verein ist auf Spenden angewiesen, um seine Arbeit zu finanzieren. Er ist als gemeinnütziger Verein anerkannt und berechtigt Spendenbescheinigungen auszustellen.

    Die Bankverbindung: Sparkasse Rhein-Nahe, IBAN DE97 560 501 800 017 113 150.

    Ingelheim, 12.02.2019