Pflegeeltern – eine große und verantwortungsvolle Aufgabe

    Pressemitteilung der Kreisverwaltung Mainz-Bingen

    Als die eigenen Kinder aus dem Haus waren, haben sich Barbara und Markus entschlossen, noch einmal Eltern zu werden – und ein Pflegekind in den Kreis ihrer Familie aufzunehmen. Im Landkreis Mainz-Bingen läuft das über den Pflegekinderdienst des Kreisjugendamtes. Barbara und Markus gibt es nicht wirklich, sie stehen exemplarisch für eines von vielen Beispielen: Im Landkreis Mainz-Bingen gibt es rund 160 Familien, die den knapp 200 Pflegekindern ein Zuhause bieten. „Eine besonders verantwortungsvolle und große Aufgabe, die aber sehr erfüllend sein kann“, findet Landrätin Dorothea Schäfer.

    Menschen wie Barbara und Markus gibt es aber nicht wie Sand am Meer: „Pflegefamilien werden stetig gesucht“, so Giulia Dreger vom Mainz-Binger Pflegekinderdienst. Ob verheiratete oder unverheiratete Paare, gleichgeschlechtliche Paare, Paare mit und ohne leiblichen Kindern, alleinstehende und alleinerziehende Mütter oder Väter, Patchworkfamilien oder Singles – sind bestimmte Voraussetzungen erfüllt, kann generell jeder Pflegemutter oder Pflegevater werden. Es seien einfach die passenden Eltern für die Pflegekinder gesucht, so Giulia Dreger. „Wir müssen uns die Frage stellen, was die Eltern mitbringen und was das Kind braucht.“ Um das herauszufinden, durchlaufen die potentiellen Pflegeeltern ein Schulungsverfahren, an dessen Beginn eine allgemeine Informationsveranstaltung steht. Hier erhalten alle Interessierten grundlegende Informationen zur Pflegeelternschaft. „Vor allem wird hier deutlich gemacht, dass ein Pflegekind aufzunehmen nicht mit einer Adoption gleichzusetzen ist“, erklärt Giulia Dreger.

    In dem rund sechs monatigen Schulungsverfahren lernen sich alle Beteiligten kennen: Zunächst tauschen sich die angehenden Pflegeeltern und die Mitarbeiterinnen des Pflegekinderdienstes Mainz-Bingen aus. In rund zehn Terminen, teilweise auch bei Vor-Ort-Terminen im möglichen Zuhause, wird gemeinsam ein Kinderprofil erstellt. „Die Kinder  weisen leider oft Vernachlässigungen und Bedürfnisse aller Art auf. Da ist es unsere wichtigste Aufgabe sicherzustellen, eine geeignete Familie zu finden, die zu den individuellen Bedürfnissen des Kindes passt“, schildert Giulia Dreger den Hintergrund des Schulungsverfahrens. Im Anschluss lernen sich Pflegeeltern und, wenn möglich, leibliche Eltern kennen. „Das ist ganz wichtig, um sich ein ganzheitliches Bild zu machen und zu wissen, ob die leiblichen Eltern und die möglichen Pflegeeltern eine gemeinsame Grundlage finden.“ Das sei ganz entscheidend, denn bei erfolgreicher Vermittlung eines Pflegekindes finden regelmäßige Treffen mit den leiblichen Elternteilen statt, führt Giulia Dreger aus. Passen alle Voraussetzungen zusammen, dann erst lernen sich Pflegeeltern und Kinder kennen.

    Oftmals bestehen Fragen zur Planungsunsicherheit, wie lange etwa das Zusammenleben als Pflegefamilie andauern wird. Dazu dient die Schulungsphase auch, dass sich angehende Pflegeeltern in dieser Zeit gezielt damit auseinandersetzen. Oberste Priorität ist stets: Man muss Lust und Geduld sowie viel Zeit haben, um sein Leben mit einem Kind zu verbringen. Eine Rückführungsoption des Kindes zu seinen leiblichen Eltern wird immer im Einzelfall geprüft.

    Finden sich die passenden Pflegeeltern für ein Kind, hört die Arbeit des Pflegekinderdienstes nicht auf. „Wir stehen in regelmäßigem persönlichen Kontakt mit Pflegefamilie, Pflegekindern sowie den leiblichen Eltern und unterstützen dort, wo es nötig ist“, so Giulia Dreger. Der Bedarf an Pflegeeltern sei wirklich da. Nicht jedes Paar, jede potentielle Pflegemutter oder jeder mögliche Pflegevater passt auch immer zu hundert Prozent zu den Bedürfnissen der Kinder. „Das heißt natürlich nicht, dass die Elternqualitäten abgesprochen werden“, stellt Giulia Dreger klar. Daher gibt es glücklicherweise Kooperationen mit den umliegenden Pflegekinderdiensten, bei denen oftmals ebenfalls Bedarfe bestehen. Menschen wie Barbara und Markus, die etwas zurückgeben und helfen möchten sind gefragt und helfen auch landkreisübergreifend dabei, Kindern ein Zuhause zu geben.

    Weitere Informationen zur Pflegeelternschaft gibt es auf der Homepage der Kreisverwaltung Mainz-Bingen unter dem Suchwort „Pflegekinderdienst“. Die nächsten Infoabende finden statt am 05. Februar um 16:00 Uhr und am
    08. Juni um 10:00 Uhr in der Kreisverwaltung Mainz-Bingen (Raum 010, Georg-Rückert-Str. 11, 55218 Ingelheim). Für weitere Informationen steht Giulia Dreger per Email an oder unter der Telefonnummer 06132-787-13710 zur Verfügung.

    Ingelheim, 03.12.2019

     

     

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